Ad hoc der IKB vom 7.8.2007. Der vorangegangene Vorhang aus Wortgeklingel wird ein ganz klein wenig für den interessierten Betrachter gelüftet : Zitat: "Nachdem die Finanzierung von Rhineland Funding derzeit nicht über Commercial Paper erfolgt, [...]"
Alle Welt schaut angespannt auf die Schuldnerqualität der US-Häuslebauer und vermutet ein Problem im Aktivgeschäft. In Wirklichkeit hat die Bank ein massives Problem in ihrem Passivgeschäft. Commercial Paper sind kurzfristige Einlagen von 30 bis 90 Tagen Laufzeit. Man hat also langfristige Hypothekendarlehen mit kurzfristigem Geld finanziert. (Das hat Rudolf Münemann in den 70er Jahren mit Industriedarlehen in Deutschland auch schon einmal gemacht. Zeitweise war er eine Größe der Finanzwelt. Als dann die kurzfristigen Zinsen anfingen zu steigen, war er innerhalb zweier Jahre sein Vermögen los. 1982 schied er freiwillig aus dem Leben. Seither wird jedem Banklehrling unmittelbar nach dem richtigen Blaupapier-Einlegen beigebracht, daß ein eherner Grundsatz im Bankgeschäft die gleiche Fristigkeit von Einlagen und Ausleihungen ist.)
Dies bedeutet, daß die KfW auch nicht die IKB gegen Risiken nur durch ihre höhere Finanzkraft "abschirmt", wie es vornehm vernebelnd in einer vorangegangenen ad hoc hieß, im Sinne einer Ausfallbürgschaft oder ähnlichem, sondern ganz konkret die 8,1 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt hat, um die nicht mehr mögliche Re-Finanzierung mittels Commercial Papers auszugleichen. Die Zinsen sind gestiegen, die Zinsen steigen weiter. Den daraus resultierenden Mehraufwand findet die IKB in ihrer Gewinn- und Verlustrechnung als Kostenblock wieder.
"IKB garantiert die Liquidität der Fonds" hieß es in einer vorangegangenen ad hoc. Da dachte ich seinerzeit naiverweise an die Zurverfügungstellung von Mitteln für die Kassenführung und nicht an eine Garantie für 14,6 Mrd. Euro Refinanzierungsvolumen des Rhineland Funds und die daraus erwachsenen Zinsrisiken. Ein Prozent mehr Zinsaufwand also 146 Mio. Euro Verlust für IKB. Niemand weiß, wie hoch die effektive Zinsbelastung inzwischen ist, nachdem alle Welt sich weigert, solche Subprime-Kredit-Fonds zu refinanzieren. Niemand kennt den durchschnittlichen Zinsfuß dieser US-Hypothekenkredite. Niemand weiß, ob es sich hier um Festzins-Hypotheken oder solche mit variabler Verzinsung handelt. Wobei dieser Gesichtspunkt nur vordergründig wichtig ist.
Handelt es sich um Festzinshypotheken, hat die IKB möglicherweise über Jahre eine Zinsbelastung von 146 Mio. Euro x X% zu tragen, handelt es sich um variable Darlehen, bedeutet bereits die Zinsanhebung von z.B. 5% auf 6% für den Hypothekenschuldner eine Erhöhung seiner monatlichen Zinsbelastung um 20%. Da werden aus den AAA-Darlehen ganz schnell B- und C-Ratings und die Verluste bei der Abwicklung solcher notleidend gewordenen Kredite sind als Gegenposition zum Passivzins-Risiko abzuwägen. Eine unerfreuliche Entscheidungs-Matrix dürfte da gegenwärtig erarbeitet werden. Das Ganze ist eine Zwickmühle.
Wie immer beginnt man mit dem "Unwichtigeren" zuerst in einer guten Ad hoc. Da wird nun also auch noch eine "Rhinebridge" aus dem Ärmel gezogen und etwas von wenig bedeutend erscheinenden 80 Mio. Euro erzählt, die man ihr geliehen habe. By the way dann die Information, daß in Wirklichkeit hier ein Gesamtvolumen von 2,4 Mrd. Euro im Raume steht. Alles andere siehe Rhineland, siehe oben. Nebenbei wird erwähnt, daß Rhinebridge in den Konsolidierungskreis einbezogen werden wird. So kann man auch formulieren, daß man für die gesamten Verluste dieser Gesellschaft geradestehen muß.
Dazu 1 Mrd. Euro Ausfallrisiko im eigenen Kreditportefeuille der IKB, wieso eigenen?, Rhineland und Rhinebridge sind nur formal, aber nicht wirtschaftlich auszugrenzen...